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wann baut man aus der 61 endlich die sitze aus?

Wann baut man aus der 61 endlich die sitze aus?
Das ist die - für den laien rätselhaft erscheinende und dennoch - existenzielle frage, die sich tausende studenten der TU dresden im moment täglich stellen.

Im frühjahr scheinen alle probleme noch in weiter ferne zu liegen, auch der sommer geht ohne weiteres vorüber und hinterlässt nur vage den geschmack gemischten schweißes auf der zunge. Doch wenn im herbst nach den rotgelben blättern die ersten novembertröpfchen fallen und das thermometer eine magische grenze unterschreitet, geschieht plötzlich alles gleichzeitig: die zeitumstellung trifft auf einfallende morgendliche dunkelheit und einen fahrradlampenschädigungsvirus, die 61 wird von vereinzelten studenten geringfügig häufiger auf dem hochschulgelände gesichtet und erscheint als geringfügig leerer als im durchschnitt, wodurch die illusion entsteht, es gäbe noch freie kapazitäten, was sich wie ein lauffeuer ausbreitet und ... die bikini-diäten des sommers schlagen plötzlich an, wodurch die weibliche studentenschaft an gewicht verliert und dadurch die gefühlte temperatur 10% unterhalb der realen ansiedelt.
Die belegschaft erlebt eine kollektive schlaflose nacht, an deren dämmerndem ende die folgenschwere entscheidung steht: ab heute fahr ich mit dem bus!

Und so treffen sich allmorgendlich an den bushaltestellen der hochschullinie 61 mehr menschen als bei einer studentenvollversammlung. Bereits wenn die türen sich zum ersten mal schwerfällig öffnen, , entsteht ein sog wie bei der „reise nach jerusalem“, wenn die musik ausgeht. Nicht einmal für eine schwangere hundertjährige würde jetzt noch einer aufstehen. Stehplätze sind rar. Ab der nächsten haltestelle rückt man dichter zusammen und erhascht einen hauch vom parfum der nachbarin. Dann legt man die hände auf die schultern des ältere herrn vor sich; wenn sich jetzt alle auf die knie des hintermannes sinken lassen würden, hätten alle einen sitzplatz ... Völlig fremde menschen legen einander den arm um die schultern und neigen die köpfe wie zum kuss. inzwischen müssen taschen und kleine kinder über den kopf gehalten werden. Über die stangen mi halteschlaufen werden bretter gelegt um eine zweite ebene zu schaffen. Ein sommerliches gefühl kommt auf, temperatur, geruch und luftkonsistenz geschuldet. An der nächsten station steigt regelmäßig die „frau mit kinderwagen“ zu.

Doch da wir es bei studenten mit der elite der gesellschaft zu tun haben, werden kreative wege aus der misere erfunden: busfahrpläne ausgetauscht, von hackenden informatikern sogar im internet verändert; gefakete telefonketten eingesetzt um ausgefallene stunden zu simulieren, mitbewohner mit besenstielen unter der türkinke am verlassen der wohnung gehindert ...

schließlich bildet jeder seine eigene paranoia aus. harmlose unterhaltungen über das wetter beginnen, schizophrene denkvorgänge hervorzurufen. „morgen soll es noch einmal wärmer werden“, sagt vielleicht ein kommillitone. „ach“, antwortet man und überlegt: warum sagt er mir das? Na klar, er will mich in sicherheit wiegen. Spekuliert darauf, dass ich mich in erwartung wärmerer witterung aufs fahrrad fahren einstelle, dann morgen länger schlafe, viel zu spät für den bus das haus verlasse um dann festzustellen, dass er mich belogen hat um MEINEN platz in der gepäckablage zu besetzen ... „ich fahr rad“, sagt man dann, um am nächsten morgen extra früher aufzustehen, mit dem rad an die starthaltestelle der 61 zu fahren um besagtem kommillitonen dann hämisch grinsend über die köpfe hunderter anderer zuzuwinken, wenn sich die tür vor seiner nase schließt.
Doch mich geht das alles nichts an – ich hab eine wetterfeste jacke.

5.11.07 12:27

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