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du und ich

„Bei dir habe ich immer damit gerechnet zu stolpern. Weil deine Hand mich so oft nicht gehalten hat. Sondern manchmal sogar gestoßen. Ich habe mir Knie und Ellenbogen verbunden. Viele Male. Du hast lange Zeit nur Narben auf meiner Haut hinterlassen. Weil du gerade selbst gewankt bist, als ich wegen dir ins Stolpern geraten bin. Und auch wenn meine Hände verwundet waren, habe ich sie dir trotzdem gereicht, wenn du ins Taumeln gerietest. Konnte dich nicht fallen lassen, du hättest mich migerissen. Standen wir doch auf dem selben Fleck, war ich doch das Herz und du die Seele.

Als sich plötzlich alles geändert hat, habe ich schon nicht mehr daran geglaubt. Hatte den Zauber vergessen, der da mal gewesen war, und hatte es endlich doch einmal geschafft, heimlich rückwärts zu gehen. Ich war auf dem besten Weg dahin, dir nicht mehr auf den Füßen zu stehen.
Dann hast du nach mir gerufen.
Und weil wir ja Freunde waren, habe ich mich umgedreht.

Ich habe die Tränen weggeküsst, die andere verursacht haben. Und du hast dafür deine Hand auf mein Herz gelegt, bis es nicht mehr so aufgeregt war. Zum ersten Mal habe ich geglaubt, dass wir es doch noch lernen, den anderen zu sehen. Dass sich dein Bild scharf stellt auf meiner Linse.
Nächtelang haben uns unsere Worte in den Schlaf getanzt und dein Mosaikbild in meinem Kopf hat sich langsam vervollständigt. Bin in deinen Kreis getreten und du in meinen, Herz und Seele verbunden. Wir haben uns gegenseitig aufgefangen, in dem Netz aus Berührungen, dass wir füreinander gesponnen hatten, und ich habe manchmal sogar die Augen geschlossen für einen kleinen Moment.

Eigentlich weiß ich nicht was passiert ist seitdem. Ich kann nur spekulieren, dass du dich wohl doch dazu entschieden hast, mir nicht deine Augenlider zu zeigen, sondern sie offen zu halten, um nicht zu stolpern über meine Füße. Deswegen hast du losgelassen, immer wieder. Aber die letzte Konsequenz war nicht mehr das Auffangen. Du wolltest mich fallen lassen, bevor die Fallhöhe zu groß wurde. Bevor aus aufgeschürften Knien gebrochene Knochen werden.

Jetzt fehlt mir ein Stück Herz und dir vielleicht auch. Ich kann noch nicht sagen, ob ich "danke für den Großmut" sagen soll ... oder "mach doch endlich mal deine Augen zu".

(Dank an Danaea)

15.3.09 22:00

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